Gangwechsel: Von Autokultur zur Wahlfreiheit - Mein Weg jenseits von Gesellschaftlicher Norm

Yep- Das bin ich. Ein Kinderfoto von mir, wie ich mit einem Spielzeugauto einschlafe - Oder war ich da schon müde von der Autokultur?

Das erste Wort: Eine Nation besessen vom Auto

Deutschlands Finanzminister, Christian Lindner, verriet kürzlich, dass sein erstes Wort auf dieser Welt „Auto“ war.

Das überrascht kaum bei einem Politiker, der für seine engen Beziehungen zu Porsche bekannt ist - aber auch für jeden Normalbürgerin in Deutschland wäre das nicht verwunderlich. Was aber, wenn das Wort [insert addictive drug] gewesen wäre?

Diese Akzeptanz oder Blindheit gegenüber Autokultur oder -abhängigkeit zeigt die nationale Liebesbeziehung oder Obsession mit dem Auto.123

Spielzeuge von morgen: Konditionierung durch Spielen

Deutschland, als stolze Autonation, wurde historisch immer abhängiger vom Auto - und stigmatisiert bis heute Menschen, die die negativen Auswirkungen des Autofahrens anerkennen und deshalb ein autofreies Leben wählen. Ein Relikt aus Zeiten, in denen das Auto mehr war als eine Maschine - ein Familienmitglied, ein Lebensziel, ein Lebensstil - ein Vehikel, um inmitten der selbst verursachten Landflucht autonom und frei zu bleiben.

Hand aufs Herz: Nicht alle Kinderspielzeuge werden von wohlmeinenden Menschen designt. Ich behaupte: Die meisten Spielzeuge bereiten Kinder auf unsere konsumorientierte Gesellschaft vor.

Ich hatte mehrere Kisten voller Spielzeugautos. Und die Spielzeugreise geht digital weiter: Die meisten Simulationsspiele wie Need For Speed, Truck Simulator, Train Simulator fokussieren sich auf ein einziges Verkehrsmittel.2

Von GTA zur Realität: Eine Lektion in Mobilitätswahl

Grand Theft Auto bietet da mehr. Medienpsycholog*innen betonen oft die mögliche Gewalt im Spiel - ich finde, es hatte insgesamt einen positiven Einfluss auf mein Leben.

Was ist gewalttätiger? Ein Auto, Fahrrad, Boot oder Flugzeug in GTA „auszuleihen“ - oder eine Sims-Familie in einem autozentrierten Vorort festzusetzen?

GTA zeigt eine Miniaturversion realer Mobilitätswahl. Warum einen Supersportwagen fahren, wenn du auf einem BMX abgehen kannst? Und wer hätte gedacht, dass „Fahrzeuge leihen“ etwas über Sharing-Ökonomien beibringt? In der echten Welt heißt es „Carsharing“ - und ist vollkommen legal. In GTA sind alle gleich.

Ein Screenshot aus dem Spiel GTA zeigt eine Figur, die flexibel zum Fahrrad statt zum Auto greift. Für jede Mission das passende Werkzeug.

Probefahrten und materielle Meilensteine

2013, mit 18, verbrachte ich meine Freizeit oft mit Probefahrten von Autos, die mich interessierten. Es ging ums Fahrtraining - aber auch um Motivation im Leben - ein materielles Ziel vor dem nächsten (was kommt danach?) - Hauskauf.

Zumindest in meiner Heimatstadt Frankfurt - Finanzmetropole, wo materieller Status gefeiert wird: durch Investmentbanker in der Innenstadt und den Vorstadtmenschen (oder sollte ich sagen SUV-urbaniten), die das Prestige (laut Werbung) suchen, wenn sie morgens aus der Tür treten.

2013 war auch das Jahr, in dem ich das erste Mal einen Tesla fuhr - ein Auto, das summte statt röhrte. Damals war für mich klar: Mein nächstes Auto wird ein Tesla.

Posen vor Autos - der gesellschaftliche Standard für junge, ambitionierte Typen. Aber ist es das richtige Werkzeug?

Ein Paradigmenwechsel: Umzug nach Berlin

2 Jahre später zog ich nach Berlin. Wie in GTA lebte ich plötzlich in einer Stadt mit vielfältigen Optionen.

In Berlin lernte ich neue Prioritäten kennen. Hervorragender ÖPNV, Carsharing an jeder Ecke, mit einem Fingertipp erreichbar (wie Uber - nur günstiger und man fährt selbst).

Mit Freund*innen bei Sonnenschein unterwegs? Cabrio! Nachts allein nach Hause? Kleinstwagen.

Fazit: Mein eigenes Auto wurde zur Last.

Die niederländische Verbindung: Mobilität neu gedacht

Als ich zum Studium in die Niederlande zog, hatte ich nicht erwartet, was mit mir passieren würde. Mein Studiengang, User Experience Design, fokussierte sich auf die Verbesserung von Nutzererlebnissen. Ich erwartete digitale Dinge: Research, Prototyping, Frontend.

Doch ich lernte: UX betrifft auch Alltagsthemen wie Mobilität. Als Designer veränderte sich mein Blick. Ich wurde neugierig auf wie die Niederlande Design auf Stadtplanung anwenden - und was wir aus niederländischer Radkultur und DE–NL‑Vergleichen lernen können.45

Ich hielt mich für einen „Autotyp“ - doch musste erkennen, dass Verhalten von Zugänglichkeit im Umfeld geprägt wird.

Turns out: Die Niederländer*innen haben Alltagstransport wie ein gutes UI gestaltet. Für Autofahrende, Bahnreisende, Radfahrende, Rollstuhlfahrende, Fußgänger*innen. Ich verliebte mich ins Fahrrad - das Auto war vergessen.

Wer will nicht in einem Land leben, das seine Bürgerinnen nicht sterben lässt auf dem Weg zur Arbeit - egal wie sie unterwegs sind? Diese Menschlichkeit ließ mich gern Steuern zahlen.*

Nicht perfekt - steigender Autobesitz und veränderte Umstände

Das niederländische Beispiel ist beeindruckend, aber nicht ohne Widersprüche. Aktuelle Daten zeigen, dass der Fahrzeugbestand in den Niederlanden weiter wächst (mittlerweile erstmals über zehn Millionen zugelassene Pkw), und der Autobesitz steigt in vielen Regionen. Dieser Trend relativiert das einfache Narrativ „Niederlande = Fahrradutopie“ und verweist auf strukturelle Ursachen: Bezahlbarkeit von Wohnraum und längere Pendelstrecken, lückenhafte regionale Verkehrsangebote sowie eine Marktverschiebung hin zu größeren, schwereren Fahrzeugen (SUVs, Hybride, EVs mit Batteriegewicht).

Solche Entwicklungen zeigen: Politische Rahmensetzungen (Subventionen, Wohnraumpolitik, Investitionen in Regionalverkehr) können Rad- und ÖPNV‑Nutzung stärken – oder unbeabsichtigt den Autoverkehr unterstützen. Für Befürworterinnen und Gestalterinnen heißt das pragmatisch: Von den Niederlanden lernen, aber auch die politischen und wirtschaftlichen Stellhebel benennen und angehen.

Wahlfreiheit genießen

Die niederländische Alltagsradkultur (oder einfach ein offenes Wahlfreiheits-Ökosystem) hat mein Autohirn komplett umgestellt.6 Die Niederlande boten eine neue Geschichte - von Städten für Menschen, nicht für Autos. Mein Umzug zum Studium wurde eine Reise zu nachhaltigerem Leben - in eine Gesellschaft, die weiß, wie man mit Werkzeugen umgeht.

Am Ende war der Schlüssel zum Glück für mich kein Porsche in jeder Einfahrt, sondern Wahlmöglichkeiten. Räume, wo Autos, Räder und Fußgänger*innen in Harmonie existieren - wie ein perfekt getimter Flashmob. Und wenn diese Wahl durch sichere Infrastruktur gestützt wird, sind Umwelt- und Gesundheitsgewinne messbar.76

Ich bewundere das Auto als Erfindung - nützlich, kraftvoll und in vielen Regionen unverzichtbar. Carsharing begeistert mich als Modell, das Besitzkosten und Ressourcenverbrauch senkt. Unsere Versorgungsketten hängen von Lkw ab; Rettungsfahrzeuge retten Leben. Das sind legitime Gründe, motorisierten Verkehr wertzuschätzen.

Als Ingenieur/Designer bevorzuge ich jedoch Systeme, die viele Menschen effizient bedienen und Gesundheit sowie Sozialleben schützen. Das Auto ist wie Süßes oder Alkohol - in Maßen sinnvoll, im Übermaß schädlich. Kurz gesagt:

  • Autofahren ist oft reiner Konsum: Navigation folgen, Zeit und Aufmerksamkeit verbrauchen.
  • Zugfahren kann Konsum und Schaffen mischen - Teile der Reise lassen sich produktiv nutzen.
  • Radfahren ist Schaffen: Fitness, mentale Klarheit, Raum für Kreativität.

Ziel ist nicht, das Auto zu verteufeln, sondern Infrastrukturen zu gestalten, in denen jede Mobilitätsart ihren angemessenen Platz hat.

So, was nehme ich also mit vom Weg von der Autobahn zum Fietspad? Es ist, dass Erfolg nicht an der Größe deines Autos gemessen wird, sondern an der Fähigkeit, das richtige Werkzeug zu wählen. Persönlicher Erfolg zeigt sich nicht im Besitz, sondern in kleinen Freuden - wie der Wind im Haar auf dem Rad durch Tulpenfelder. Oder wenn du mit deinem Dutch Bike einen Sportwagen überholst - oder ein 4,20m-Kajak mit einem 1,80m-Rad transportierst.

Veränderung vorantreiben

Radfahren ist nicht nur grün, sondern gesund. Stell dir dein Bike als „Gym des Lebens“ vor - tägliches Training und Freude, kostenlos.

So kombinierst du persönliches Wohl mit Gemeinschaftswirkung:

Engagiere dich: Fordere radfreundliche Politik. Kontaktiere lokale Politiker*innen. Deine Stimme zählt.

Sei Vorbild: Tausche dein Auto gegen ein Rad. Jeder Ritt ist ein Workout und inspiriert andere.

Werde Teil: Mach bei Rad-Events mit. Gemeinschaft zeigt, wie spaßig und gesund Radfahren ist.

Erkläre: Teile die Gesundheitsvorteile des Radfahrens. Wissen motiviert.

Fordere sichere Wege: Gute Infrastruktur ist essenziell. Unterstütze Organisationen für sichere Radwege.

Tracke deinen Weg: Nutze Apps für deine Fitnessziele. Fortschritt motiviert langfristig.

Organisationen zur Unterstützung

Wenn du dich lokal engagieren willst, schließ dich deiner Rad-Gang an - oder ähnlichen Gruppen. Hier einige (international) relevante Organisationen:

Jeder Pedaltritt ist ein Schritt in Richtung Gesundheit - für dich und den Planeten. Lass uns gemeinsam losradeln.

Quellen

Footnotes

  1. Michael Jakob Mögele (LMU). Regionale Automobilkulturen zwischen (Re)Produktion und Wandel. https://edoc.ub.uni-muenchen.de/29811/7/Moegele_Michael_Jakob.pdf
  2. Kurt Möser. AUTO.KULTUR.GESCHICHTE (2013). https://zeithistorische-forschungen.de/sites/default/files/medien/material/2017-3/Moeser_2013.pdf 2
  3. Umweltbundesamt (2023). Mobilität in den Medien – NaMoW. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/11740/publikationen/2023-04-17_texte_56-2023_namow_mobilitaet_in_den_medien.pdf
  4. IWU (1999). Fahrradfahren in den Niederlanden und in Deutschland. https://www.iwu.de/fileadmin/publikationen/verkehr/1999_IWU_FladeEtAl_Fahrradfahren-in-den-Niederlanden-und-in-Deutschland.pdf
  5. Radkultur in den Niederlanden (Fakten & Entwicklung). https://marc-wuebbenhorst.de/onewebmedia/Radkultur-NL.pdf
  6. Wuppertal Institut (2023). Nachhaltige Mobilität – Strategien und Maßnahmen. https://epub.wupperinst.org/frontdoor/deliver/index/docId/7747/file/7747_Nachhaltige_Mobilitaet.pdf 2
  7. Umweltbundesamt. Wie umweltfreundlich sind Auto, Zug, Schiff & Co.? https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr/wie-umweltfreundlich-sind-auto-zug-schiff-co-im